Petra Hartman
'Ich arbeite dank der Gunst des Zufalls'
- Petra Hartman 1960 -
Petra Hartman machte sich während der letzten zwanzig Jahren vor allem einen Namen mit überschwänglichen Entwürfen von Schmuck und Taschen. „Die Tasche ist für mich der Körper, der Schmuck ist die Seele. Sie gehören zusammen. Aber meine Gemälde sind die Basis." Ganz so oft kommt es nicht mehr vor, dass ein Künstler darum gebeten wird, einen Marienaltar zu entwerfen. Ausrangierte einsatzlose Altäre gibt es genügend und die Kirche als Auftraggeber ist schon eine Besonderheit. Wenn dann doch eine solche Anfrage vorliegt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass man bei der Oosterbeekschen Petra Hartman landet. Nicht umsonst prangt auf der Homepage ihrer Website eine madonnenähnliche Erscheinung mit Kindern. Ihre Bildsprache und Symbolik sind mit den barocken Stilrichtungen verwandt, die in der Kirche lange Zeit gebräuchlich waren. Für die kleine altkatholische Kirche in Arnheim dachte sie sich einen lotusförmigen Altar mit einem silbernen Schmuckkästchen an der Unterseite aus.
In den achtziger Jahren studierte Hartman bildende Kunst an der Arnheimer Kunst-akademie. Sie konzentrierte sich auf das Malen und Zeichnen und lernte dort ihren Partner, Designer Ruud-Jan Kokke, kennen. „Er hörte mit der Schule auf und eröffnete eine Schreinerei. Gemeinsam zogen wir durch ganz Holland um seinen ersten Lattenstuhl zu verkaufen." Die Dozenten der Akademie betrachteten das Schreineraben-teuer mit skeptischen Blicken. „Nach vier-einhalb Jahren wurde ich weggeschickt. Die waren der Ansicht, dass ich doch besser meinen eigenen Weg finden sollte. Ich fing an, alles, was sich vor dem Fenster unseres Wohnbootes abspielte, zu malen und habe damit nicht mehr aufgehört. Seitdem male ich Blumen, Land-schaften und auch Nackte. Die Taschen kamen später." Die Form ihrer ersten Tasche entlieh Hartman der Form eines Blumenstraußes. „Ich habe mich vertieft in das Phänomen: Wie fühlt sich eine Tasche an, wie sieht sie aus, was ist drin? Solange man etwas hinein tun kann und sie einen Griff hat, ist es für mich eine Tasche. Ob man sie auch zum Wochenmarkt mitnimmt, ist wiederum eine andere Sache. Ich mache ziemlich überschwängliche Varianten mit viel Flittergold und Diamanten. Ich zerschneide und verarbeite Bilder von alten Fotos, romantischen Szenerien mit nackten Frauen und Küsten-landschaften." Der Vitalismus ihrer angewandten Kunst ist auch bezeichnend für die Gemälde Hartmans, die ihre Werke gerne bezahlbar und zugänglich hält. „An Taschen und Schmuck bastel und nähe ich manchmal lange herum. Auch wenn sie, wie die Gemälde, eine gewisse Rohheit und Schlampigkeit besitzen, die sie interessant machen. Das Malen geht dagegen ein gutes Stück schneller."
Hartman zeigt auf eine Vase mit Blumen auf dem Tisch. „Früher hätte ich die sofort gemalt, um sicher zu gehen, dass der Lichteinfall und die Farbschattierung stimmen. Jetzt verwende ich eine Minikamera, mein digitales Skizzenbuch. Ich versuche, die Farbe schnell, konzentriert und direkt anzusetzen. Es darf ruhig ein bisschen wild sein. Das verlangt eine schnelle, konzentrierte Arbeitsweise. Es ist eine Frage des langen Ausbrütens und dann: hopp! So kann man jedoch keine Hundert davon am Tag machen."
Lange Zeit schien die Farbe in den Arbeiten Hartmans unentbehrlich zu sein, aber in letzter Zeit lässt sie sie auch weg. „Diese Landschaft ist hier in Oosterbeek gemalt worden, im Hintergrund die älteste Kirche Hollands." Hartman zieht zwei große, sich einander anschließende Tafelbilder in schwarz-weiß hervor. „Ich habe sie auch in blau mit rot gemalt, mit schnellen, kräftigen Linien. Weil die Linien so grafisch sind, denke ich dabei nicht in Nuancen, sondern in rohen, festen Kontrasten. Ein wenig siebdruckähnlich." Im Ausstellungsraum, wo sie ihre Gemälde aufbewahrt, fällt der Blick auf andere Schwarz-Weiß-Arbeiten in 3D. „Ich experimentiere mit Papierskulpturen. Ich muss noch einen passenden Namen dafür finden. Die Rückseite ist im Prinzip flach, es sind Objekte, die an die Mauer gehängt werden können. Zuerst mache ich die Form, dann suche ich eine passende Zeichnung dazu." Läuten diese neuen Arbeiten Hartmans Schwarz-Weiß-Periode ein? „Im gewissen Sinne ist es ein Bruch mit meiner Farbtradition. Im gewissen Sinne, denn es ist zwar schwarz-weiß, aber es wirkt farbig. Es ist Farbe in schwarz-weiß."
Hartmans Atelier – „Ganz schönes Durch-einander was?" – zeigt, wie wichtig die Vielfalt in ihren Arbeiten ist. Taschen (Ge-brauchsgegenstände sowie Museums- stücke), Schmuck, Riesen-Schmucksachen, bunte, expressive Gemälde, grafische Werke in schwarz-weiß. Gibt es eine durchgehende Linie in diesen Arbeiten? „Ich glaube schon. Es ist alles nicht so genau. Da ist etwas Unvollkommenes drin. Offensichtlich habe ich das Bedürfnis, viele verschiedene Dinge zu tun. Es gefällt mir schon, dass viele verschiedene Leute meine Arbeit schätzen. Sowohl Museumsdirektoren als auch meine Nachbarin, hochgebildete Kunstexperten und spontan schauende Kinder." Quelle: Eigen Huis & Interieur, Dezember 2005/ Fotos: Freek Esser
http://www.petrahartman.com/
Werke von Petra Hartman sind auch über die Leolux-Design-Center erhältlich. |
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